Op de Punkt, Abrëll 2013: Sanfte Mobilität in der Gemeinde Bartringen

Op de Punkt Abrëll 2013_Bartreng_20

Es gilt das Prinzip: Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung sind bei den politischen Entscheidungen mehr denn je zu berücksichtigen. Jedes Bemühen, die Umwelt zu schonen, neues Verhalten zu initiieren und sich der „schleichenden Apokalypse“ (Hans Jonas) durch verantwortungsbewusstes Handeln entgegen zu stellen, ist zu begrüßen.

 

Deshalb unterstützt die CSV, trotz festgestellter Mängel, das Projekt „Bertrange Electric Bike“.

 

BE-BIKE statt VEL’OH

 

In der Schöffenratserklärung hieß es: „Bartringen wird fahrradfreundlich gestaltet und an das sogenannte VEL’OH-Netz angeschlossen.“ Dass dieser Anschluss nun nicht mit „Vel’ohs“ versucht wird, sondern mit „elektrisch unterstützten Fahrrädern“ ist angesichts der topographischen Verhältnisse in Bartringen keine schlechte Idee, ja vielleicht sogar eine weise Entscheidung. Bartringen eignet sich mit seiner hügeligen Landschaft nicht für die schwerfälligen Vel’ohs. Darin ist dem Schöffenrat zuzustimmen. Die Elektrofahrräder taugen besser für Bartringen. Zudem ist es nicht nötig, jene Werbeschautafeln, mit denen die Betreiberfirma sich, wie manche vermuten, eine goldene Nase verdient und die sicher auch einen erheblichen Energiebedarf haben, in Bartringen an jeder Fahrradstation zu errichten.

 

Ökobilanz der Pedelecs

 

Manche dürften sich die Frage gestellt haben, ob es aus ökologischen Gründen zu rechtfertigen ist, mit einem Hilfsmotor zu fahren.

 

Wer sich diese Frage stellt, kann beruhigt werden. In wissenschaftlichen Untersuchungen schneidet das Elektrofahrrad sehr gut ab. Rein rechnerisch ist der Unterschied zum normalen Fahrrad, was den Kohlendioxid-Ausstoß anbelangt, gering. „Der Unterschied ist so gering, weil der Fahrer mit elektrischer Unterstützung weniger Kalorien verbrennt, sich über Nahrung – deren Produktion und Transport ebenfalls Kohlendioxid verursachen – also auch weniger Energie wieder zuführen muss.“ (Jens Klein)

 

Natürlich hängt die Antwort auf die Frage, ob der Umstieg auf das Elektrofahrrad den CO2-Fußabdruck verändert, vor allem davon ab, welches andere Verkehrsmittel dadurch weniger genutzt wird. Bei einer kompletten Ökobilanz der Pedelecs (Pedal Electric Cycle) ist allerdings auch auf den Akku zu verweisen. Der Akku benötigt, schreibt unser Experte Jens Klein, „Rohstoffe, die nur begrenzt vorhanden sind. Lithium-Ionen-Akkus, die in der Regel für Pedelecs und andere Elektrofahrzeuge verwendet werden, kommen auch in Mobiltelefonen oder Notebooks zum Einsatz. Der Bedarf wächst, und das Recycling ist aufwendig.“ Trotz dieser Einschränkungen ist das Elektrofahrrad ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel.

 

 

Aus Erfahrungen lernen

 

Ein Projekt muss gut vorbereitet sein. Man muss sich Zeit lassen. Es muss intensiv um die Akzeptanz bei der Bevölkerung geworben werden. Ein Projekt muss auf Anhieb ein Erfolg werden.“ Diese Auffassung vertrat vor kurzem kein Geringerer als der Stadtschöffe François Bausch. Ihm ist zuzustimmen!

 

Seine Feststellung liefert uns zudem einen guten Maßstab, um das Bartringer Projekt „BE-BIKE Elektrofahrrad“ wohlwollend kritisch zu beurteilen und dem Schöffenrat einige Anregungen für dieses und für zukünftige Projekte zu unterbreiten.

 

Bleiben wir bei Herrn Bauschs Feststellung, dass die Vorbereitungsphase von entscheidender Bedeutung ist, dann gilt es zu notieren, dass in der Anfangsphase nicht genug unternommen wurde, um die Bevölkerung für diese Fahrräder zu gewinnen und sie zu überzeugen, davon Gebrauch zu machen. Das ist, zugegebenermaßen und objektiv betrachtet, leichter gesagt als getan! Wir alle haben unsere Gewohnheiten und werfen die nicht so leicht über den Haufen. Hinzu kommt: Es gibt in Bartringen bereits jetzt zahlreiche Menschen, die ihr eigenes Fahrrad besitzen und es nutzen; die sehen natürlich keinen Grund, von heute auf morgen auf ein Elektrofahrrad umzusatteln. Als weiterer Grund darf jenes Argument genannt werden, das von einem Ratsmitglied der Mehrheitspartei stammt und absolut ernst zu nehmen ist: „Ich nehme nicht den Bus oder das Auto, um zum Rathaus zu fahren und um dort auf ein Fahrrad umzusteigen.“ Dieser Überlegung schließen sich sicher viele Menschen an, so dass sich die Frage stellt, wie viele Stationen man eigentlich in Bartringen braucht, damit der Einzelne möglichst schnell zu einer Verleihstation kommt. Die Antwort auf diese Frage ist ebenfalls nicht leicht. Da spielt nicht zuletzt der Kostenfaktor eine entscheidende Rolle!

 

Die Bilanz der ersten Monate des Be-Bike-Projektes ist, da ist man sich, parteiübergreifend, wohl einig, nicht zufriedenstellend. Die Elektrofahrräder wurden nicht so genutzt, wie sich das erwartet wurde, sodass auch die Ökobilanz eher schlecht ausschaut, immerhin verbrauchten die unbenutzten, aber stets an der Ladestation angeschlossenen Fahrräder eine gewisse Menge an Energie.

 

Die Gründe für die etwas magere Bilanz sind vielschichtiger Natur. Die nicht vorhersehbare außergewöhnlich lange Winterzeit hat das Ausprobieren der neuen Fahrräder stark beeinträchtigt. Ein weiterer Grund liegt darin, dass es noch keine zweite Verleihstation gibt. Einfach einmal eine Runde im Dorf zu drehen, das erschien vielen nicht als erstrebenswert. Die Strecke zwischen Rathaus und Bahnhof oder jene zum Schwimmbad hätte, falls es dort bereits Stationen gegeben hätte, möglicherweise für eine größere Attraktivität sorgen können. Dass eine überzeugte Fahrradfahrerin, die sich für ein Probeabonnement einschreiben wollte und im Rathaus vorstellig wurde, gleich zweimal nicht bedient werden konnte, zeigt dagegen höchstens, dass es, wie sonst auch, immer einige Anfangsschwierigkeiten gibt.

 

Sehr zu begrüßen ist, dass der Gemeinderat, auf Initiative der CSV, die Zeitspanne zum Ausprobieren der Be-Bikes bis zum Sommer verlängert hat. Unter besseren klimatischen Bedingungen und mit dem voranschreitenden bereits bei der Vorstellung des Projektes geplanten Ausbau des Be-Bike-Systems wird sich dessen Attraktivität ohne Zweifel erhöhen.

IMG_0899

Blick in die Zukunft

 

In diesem Jahr (2013) sollen, laut Ankündigung des Schöffenrates, weitere Stationen hinzukommen: „in der Nähe der verschiedenen Einkaufszentren, vor dem Bahnhof in Bartringen, vor dem Erlebnis- und Wellnessbad ‘Les Thermes’ und im interkommunalen Gewerbegebiet Bourmicht“. Mit der Errichtung dieser Verleihstationen muss jedoch eine gezielte und wirksame Werbekampagne einhergehen. Es ist, wie aus obigen Überlegungen hervorgeht, viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Zudem ist vorher zu klären, welche Zielgruppe anzusprechen ist, wer nämlich die potentiellen Nutzer sein können.

 

Bedauerlicherweise ist in dieser Phase keine Station auf Helfent vorgesehen. Gerade dort wäre eine Station sinnvoll. An der Petruss entlang gelangt man gut ins Zentrum der Ortschaft: zum Rathaus, zur Kirche, zur Post, zur Bank, zu den Geschäften, zu den Ärzten. Kleine Besorgungen lassen sich so leicht mit dem Fahrrad erledigen!

 

Sollte das Projekt eine Zukunft haben, dann ist es mittelfristig absolut notwendig, genügend, wenn auch kleinere Leihstationen, in der ganzen Ortschaft einzurichten. Dies gilt besonders für jene Viertel, die weiter von den Buslinien entfernt sind. Es drängen sich z.B. Stationen in der Cité Am Wenkel, in der Rue des Champs und auf Rilspert auf. Die Einwohner von dort müssten die Möglichkeit bekommen, mit den Elektrorädern schnell zur Bushaltestelle an der Gemeinde zu gelangen.

 

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung geht es in Zukunft aber nicht nur um Be-Bikes oder Vel’ohs. Wichtiger ist es, wie oben ausführlich erläutert, ein Gesamtkonzept umzusetzen, das der sanften Mobilität (zu Fuß gehen, Radfahren, öffentliche Verkehrsmittel) eine wirkliche Chance einräumt.

 

Da könnte man doch, auch wenn das in diesem Bereich ein ungewohnter Gedankengang ist, z.B. den Kauf von Fahrrädern, die heute schon eine schöne Stange Geld kosten, subventionieren und somit das Fahrradfahren fördern. Am besten allerdings wäre ein gutes Fahrradnetz, bei dem auf der Fahrradkarte nicht dauernd Ausrufezeichen und Warnzeichen zu finden sind. Fahrradwege, die sicher gestaltet sind, sind eine wichtige Voraussetzung zur Förderung einer Kultur des Fahrradfahrens. Daran zu arbeiten, das wäre für alle Politiker auf den Ebenen der Gemeinden und des Staates, gleich welcher Couleur, eine sinnvolle, zukunftsträchtige Aufgabe. Wir alle könnten hierbei von Liechtenstein, Dänemark, Holland und Deutschland lernen.